Neue Benchmarks im EU-ETS 1 für 2026-2030 veröffentlicht – Konsultation


In Kürze:

Am 11.05.2026 hat die Europäische Kommission die vorläufigen neuen Benchmark-Werte für den EU-ETS 1 in der zweiten Phase der vierten Handelsperiode (2026-2030) veröffentlicht. Die Werte stehen derzeit noch in einer Feedback- und Konsultationsphase und Interessierte können bis Anfang Juni dazu Stellung nehmen. Eine erneute substanzielle Anpassung der Benchmarks bei der finalen Veröffentlichung wird im Konsultationsprozess aber generell als eher unwahrscheinlich erachtet.


Auswertung und Ausblick:

Verglichen mit der ersten Hälfte der vierten Handelsperiode zeigen die neuen Werte in vielen Bereichen signifikante Reduzierungen, teilweise bis an die gesetzlich maximal mögliche Kürzung. Bei zahlreichen Branchen wie Papier oder Metall kommt es zwar zu spürbaren Kürzungen, doch gerade in den Bereichen der Chemie oder der Baustoffe wurden einige Werte im Vergleich zum Leak im November entschärft. Auch wenn sich im Vergleich zum Leak keine fundamentalen Abweichungen zeigen, scheint die EU-Kommission einige Signale aus der Industrie berücksichtigt zu haben.

Fünf von neun Benchmarks haben hier die maximale Kürzung von 50 % erhalten. Aluminium und vorgebrannte Anoden haben mit 6 % und 10 % eine deutlich schwächere Kürzung erhalten. Flüssiges Roheisen ist in dieser Gruppe ein Sonderfall, da der Produktbenchmark von der Reduktionsrate unberührt bleibt.

Übersicht der Roheisen-, Aluminium- und Anoden-Benchmarks der ersten und zweiten Hälfte der 4. Handelperiode mit der Verdeutlichung der Kürzung anhand der Fehlerbalken in Referenz zur 3. Handelperiode und der maximal möglichen Kürzung von 50 %

 

Die Kürzungen dieser Gruppen liegen breit gestreut zwischen 6 % und 47 %, wobei die meisten Benchmarks moderate Reduktionen um die 20 % erhalten haben.

Übersicht der Benchmarks für die Herstellung von Zementklinker, Kalk, Magnesit, Dolomit, Gips und keramische Erzeugnisse der ersten und zweiten Hälfte der 4. Handelperiode mit der Verdeutlichung der Kürzung anhand der Fehlerbalken in Referenz zur 3. Handelperiode und der maximal möglichen Kürzung von 50 %

Für Floatglas, Flaschen und Behälter aus nicht gefärbtem Glas und Flaschen und Behälter aus gefärbtem Glas betragen die Kürzungen 13 %, 37 % und 24 %. Produkte aus Endlosfasern und Mineralwolle wurden stärker gekürzt, um 43 % beziehungsweise 50 %.

Übersicht der Glas- und Mineralwolle-Benchmarks der ersten und zweiten Hälfte der 4. Handelperiode mit der Verdeutlichung der Kürzung anhand der Fehlerbalken in Referenz zur 3. Handelperiode und der maximal möglichen Kürzung von 50 %

Die Produktgruppe der Zellstoffe wurde am stärksten gekürzt. Von 11 Benchmarks haben 10 Kürzungen von 46 % oder mehr erhalten. Nur der Langfaser-Sulfatzellstoff hat eine geringere Kürzung von 33 % erhalten.

Übersicht der Zellstoff-Benchmarks der ersten und zweiten Hälfte der 4. Handelperiode mit der Verdeutlichung der Kürzung anhand der Fehlerbalken in Referenz zur 3. Handelperiode und der maximal möglichen Kürzung von 50 %.

Nach dem Benchmark-Leak im vergangenen November hat die chemische Industrie deutliche Bedenken zu den planten Änderungen geäußert. In der Folge wurden nun einige Reduktionen entschärft. Industrieruß, Salpetersäure, Adipinsäure und Styrol haben aus dieser Gruppe die stärksten Kürzungen mit 46 % und dreimal jeweils 50 % erhalten. Die anderen Reduktionen bewegen sich im einstelligen bis 30 %igen Bereich. Der Benchmark von Wasserstoff wurde im Vergleich zur 3. Handelsperiode um 10 % reduziert, wobei er im Vergleich zur ersten Hälfte der 4. Handelsperiode um fast 17 % angehoben wurde.

Auffällig ist in dieser Gruppe Soda, da hier aufgrund der geänderten Systemgrenze alle Emissionen bereits der Herstellung von Soda zugeschrieben werden. Aus diesem Grund wurde der Benchmark um 33 % im Vergleich zur 3. Handelsperiode angehoben.

Übersicht der Chemie-Benchmarks der ersten und zweiten Hälfte der 4. Handelperiode mit der Verdeutlichung der Kürzung anhand der Fehlerbalken in Referenz zur 3. Handelperiode und der maximal möglichen Kürzung von 50 %

Übersicht des Wasserstoff-Benchmarks der ersten und zweiten Hälfte der 4. Handelperiode mit der Verdeutlichung der Kürzung anhand des Fehlerbalkens in Referenz zur 3. Handelperiode und der maximal möglichen Kürzung von 50 %

 

Die derzeit laufende Konsultationsphase dient noch dazu, Rückmeldungen aus Wirtschaft, Verbänden und Behörden zu berücksichtigen. Allerdings sind größere Änderungen an den veröffentlichten Werten eher nicht mehr zu erwarten, da wesentliche Einflussnahmen und Lobbyarbeit bereits vor der Veröffentlichung stattgefunden haben. Einige Verbände wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) und andere branchenbezogene Interessenvertretungen hatten im Vorfeld auf bestimmte Anpassungen und Nachsicht für energieintensive Sektoren gedrängt. Diese Vorab-Diskussionen könnten erklären, warum manche Benchmarks im Chemiebereich im Vergleich zu früheren Leaks etwas abgemildert ausfallen.
Dennoch bestätigen die aktuellen Zahlen den strengen politischen Kurs der EU – sie verändern also nicht wesentlich das Ergebnis, das der Leak bereits angedeutet hat.

 

Was bedeutet das generell für Anlagenbetreiber?

Auch wenn die Zahlen noch nicht offiziell veröffentlicht sind, zeichnet sich jetzt schon ab:

  • Die kostenlose Zuteilung ab 2026 wird für viele Anlagen spürbar sinken
  • Betreiber sollten prüfen,
    • wie stark ihre spezifischen Zuteilungselemente betroffen sind.
    • welche zusätzlichen Kosten entstehen.
    • ob Effizienz- und Transformativmaßnahmen wirtschaftlich sinnvoll werden.
  • Wer aktuell eine Kapazitätsänderung oder Prozessumstellung plant, sollte dies frühzeitig mit den neuen Benchmarks gegenrechnen.

Wie konkret sind Anlagenbetreiber betroffen und welche Strategie ist ab 2026 sinnvoll?

Hier unterstützt Sie GALLEHR+PARTNER® – Wir erstellen für Ihre Anlage eine maßgeschneiderte Zuteilungsprognose unter Berücksichtigung der neuen Benchmark-Werte. Darüber hinaus bieten wir ein Strategietreffen an, in dem wir

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